Ich habe das Eichhörnchen „Mucks“ genannt. Mucks war ein schönes Tier, dunkelbraun, buschiger Schwanz und kleine Pinselöhrchen, die an der Spitze so hell waren, als ob eine kleine Schneehaube auf ihnen läge.
Mucks streifte eines Tages in meinem Garten umher. Es war Herbst geworden, und die Zapfen der Nadelbäume lockten ihn an. Er ließ sich von diesen Leckerbissen auch nicht abhalten, wenn ich im Garten erschien. Ich wollte ihn nicht erschrecken, ihm aber zusehen, wie er die Zapfen abschälte, um an die süßen Samen unter den Schuppen zu gelangen. Er hielt sie zwischen seinen Pfötchen und raspelte mit seinen Nagezähnen so laut an ihnen herum, dass ich es deutlich hören konnte.
Von Tag zu Tag wagte ich mich näher heran. Am Ende hätte ich ihn beinahe mit meinen Händen berühren können. Aber so weit wollte ich nicht gehen. In seiner Nähe zu sein, reichte mir. Mit einem Wort: Mucks und ich waren Freunde geworden.
Das war vor einigen Jahren. Und unsere Freundschaft besteht unverändert. Uns verbindet sogar ein Weihnachtsgeheimnis.
Mucks mühte sich unentwegt, möglichst alle Samen einzusammeln, aber einige gingen auch verloren. Und so wuchsen rings um seinen Lieblingsplatz kleine Fichten oder Kiefern aus dem Boden und wurden von Jahr zu Jahr größer, bis ich sie aus dem Boden riss. Bis auf einen. Den ließ ich Mucks zu Ehren stehen. Er wuchs heran. Bald würde Mucks auch hier zum ersten Mal ernten können.
Es war im vorigen Jahr kurz vor Weihnachten. Ich ging wie jeden Abend in den Garten. Es hatte leicht geschneit. Der Schnee lag wie Puderzucker auf dem Rasen. Mucks war nicht da. Nach Eichhörnchenart ruhte er irgendwo in seinem Kobel. Ich schaute zu „unserer“ Kiefer hinüber und wollte meinen Augen nicht trauen. Sie hatte sich in einen Weihnachtsbaum verwandelt. Schnee lag wie Lametta auf den Zweigen. Die morgendlichen Tautropfen waren zu dicken Eiskugeln gefroren und hingen wie Christbaumkugeln an den Ästen. Kleine Eiszapfen hier und da wurden von meiner Taschenlampe so beleuchtet, dass sie wie Kerzen erstrahlten.
Begeistert stand ich vor diesem Bäumchen und konnte mein Glück kaum fassen. Der Anblick des von Mucks gepflanzten Baumes, der sich in einen Weihnachtsbaum verwandelt hatte, ließ mich nicht mehr los. Es war wie ein kleines Wunder.
Aber irgendetwas fehlte noch. Grübelnd ging ich ins Haus zurück und dachte lange nach. Endlich fiel es mir ein. Unter einen Weihnachtsbaum gehören Geschenke. Ich raffte also die schönsten Nüsse und andere Köstlichkeiten zusammen und legte sie unter den Baum. Für Mucks. Er würde sicher irgendwann wach werden und die Geschenke finden.
Am Heiligabend ging ich noch einmal hinaus. Der Schnee war leider weggetaut, und die kleine Kiefer stand traurig ohne Weihnachtsschmuck da. Irgendwo raschelte es in der Dunkelheit. Die Nüsse unter dem Baum waren verschwunden. Mucks war sicher gerade eben hier gewesen. Ob er ahnte, wer ihm die Nüsse unter den Baum gelegt hatte, und warum.
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